Titel next, Ausgabe August 2006

August 2006

Erste Hilfe: Kein Job für Angsthasen

„Na, da kann ich jetzt ja ohnmächtig werden“ – diesen Spruch bekommen frisch ausgebildete Ersthelfer ständig zu hören. Wer die zweitägige Schulung in Erster Hilfe absolviert hat, sieht diesen „Drohungen“ lässig und souverän entgegen. Denn er weiß, was er im Ernstfall zu tun hätte – ein gutes Gefühl.

„Helfen muss man sowieso!“ Das ist das Erste, was der Ausbilder des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) der zusammengewürfelten Schar angehender Ersthelfer, die sich an einem Montagmorgen beim Wiesbadener Roten Kreuz eingefunden haben, klar macht. Das leuchtet mir ein, aber wäre ich auch in der Lage, das Richtige zu tun? Bedenken, die nur auf den ersten Blick berechtigt sind, wie ich vom Seminarleiter höre: „Das Einzige, was Sie alle falsch machen können, ist, gar nichts zu tun. Im Klartext: Wer Zeuge eines Unfalls wird, muss Erste Hilfe leisten, so gut er es vermag. Sonst kann er wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt werden. Aber Sie können nicht belangt werden, wenn Sie dabei etwas falsch machen.“ Aus den vielen Jahren als Ausbilder beim DRK weiß der Mann genau, welche Vorbehalte und Sorgen seine Kursteilnehmer haben.

Verdammt lang her


„Die meisten von Ihnen haben sich sicher schon einmal Gedanken über Notfallsituationen gemacht oder sogar eine erlebt“, stellt unser Ausbilder fest, „sonst wären Sie nicht hier. Nehmen Sie diesen Kurs als willkommene Gelegenheit, Ihre Kenntnisse aufzufrischen.“ Auffrischen? Richtig, da war doch mal was. Es ist fast zehn Jahre her, da saß ich wie so viele vor und nach mir in einem Erste-Hilfe-Kurs, der für den Führerschein vorgeschrieben ist. Eher gelangweilt, als voll motiviert. Und so habe ich auch nicht viel behalten. Die Aussagen der anderen Teilnehmer geben mir Recht: „Alles vergessen“, „Viel zu lange her“, „Ich wüsste im Notfall nicht mehr, was ich machen muss.“ Deshalb sind wir anfangs alle etwas nervös. Auch ich schaue verlegen zu Boden, als der Seminarleiter den ersten Freiwilligen sucht, der sich als Opfer zur Verfügung stellt. Da hilft es nichts, als er uns versichert, dass jeder einmal an der Reihe sein wird. Schließlich schreitet eine resolute Frau in die Mitte. Damit verfliegt auch die Scheu der anderen. Je länger das Seminar dauert, desto leichter fällt es uns, neue Dinge auszuprobieren.

Theorie und Praxis


In einem theoretischen „Warm-up“ wiederholen wir allgemeine Grundlagen. Vieles habe ich schon gehört, anderes ist neu. Die Notrufnummer? 112, na klar. Die so genannten W-Fragen beim Notruf sind auch jedem ein Begriff.

Doch was tun, wenn plötzlich ein Kollege zusammenbricht? „Prüfen, ob er atmet“, antwortet eine Frau. „Richtig“, bestätigt der Ausbilder, „er atmet und was nun?“ „Stabile Seitenlage!“, ruft ein junger Mann herein. Stimmt, denke ich und ehe ich mich versehe, befinde ich mich zusammen mit meiner Nachbarin in der Mitte des Raumes wieder und übe die richtige Lagerung von Bewusstlosen. Eigentlich gar nicht so schwer, wenn man begriffen hat, wie es geht. Auf diese Art wechseln sich am ersten Tag Theorie und Praxis immer wieder ab – bis hin zur Herz-Lungen-Wiederbelebung.
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